Klossowski-Vorträge im Museum Ludwig, Köln

Anlässlich der ersten großen Ausstellung von Werken Pierre Klossowskis in Deutschland - "Pierre Klossowski. Gespräche ohne Worte" - vom 22.12.2006 - 18.03.2007 am Museum Ludwig, Köln, wurden mehrere Vorträge zum Werk des Künstlers und Philosophen gehalten, die wir hier nachträglich vorstellen.

Photo: © Simone Bernet

Christian Bertram
Pierre Klossowski - Zeichen der Huldigung und des Begehrens
Dienstag 13.03.2007, 19.00 Uhr
Ort: Kino im Museum Ludwig (Vortragssaal), 1. Etage

Die Bilderwelt Pierre Klossowskis, für den die Kunst "recht eigentlich die Wissenschaft vom Falschen", vom Trugbild ist, verbindet sich aufs Engste mit seiner Philosophie und seinem Hang zur Erotik, zur Parodie und zum Spiel. Dieser Vortrag rückt zwei bedeutende Texte in das Zentrum, die mit Klossowskis visionärer Bildproduktion korrespondieren:
Einmal die epochale Studie "Das lebende Geld" ("La Monnaie vivante") über die Phantasmen und Exzesse in der modernen Ökonomie; zum anderen Klossowskis einziges Theaterstück "Der unsterbliche Knabe".
Christian Bertram, Regisseur und Autor, inszenierte u.a. Beckett, Corneille, Celan und Robert Walser und gilt als Klossowski-Experte.

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Walter Seitter
Texte und Bilder zwischen Nehmen und Geben - Pierre Klossowskis Ökonomie der Gabe
Samstag 24.02.2007, 18.00 Uhr in Verbindung mit dem Symposium "Simulakren des Begehrens".
Ort: Kino im Museum Ludwig (Vortragssaal), 1. Etage

Im Werk von Pierre Klossowski stehen mehrere Tätigkeitsformen teils sukzessiv, teils simultan nebeneinander: Übersetzung, philosophischer Essay, Roman, Film, Zeichnung und zeichnerisches Gemälde, Kunstbuch, Drama. Einen theoretischen Gegenpol zu dieser medialen Vielfältigkeit bildet eine Anthropologie, von der allerdings nicht gewiß ist, ob sie sich in psychologischen Begriffen zureichend fassen läßt. Es scheint angebracht zu sein, handlungstheoretische Kategorien etwa aus der Ökonomie einzubeziehen, um den Impetus von Klossowskis Werk, den Übergang von der Simulation zur Stimulation, verständlich zu machen.

Walter Seitter lebt als Philosoph in Wien und leitet die Sektion Ästhetik der Neuen Wiener Gruppe/Lacan-Schule.
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Prof. Peter Gorsen
Erst die Sünde regt den Eros an. Bildnerisches Denken bei Pierre Klossowski
Dienstag 30.01.2007, 19.00 Uhr
Ort: Kino im Museum Ludwig (Vortragssaal), 1. Etage

Nachdem das Gegenständliche und Erzählerische in der Kunst zurückgekehrt sind und dem Künstler wieder freigestellt ist, literarische Elemente in das Bild aufzunehmen, wird das Werk des interdisziplinär arbeitenden Schriftstellers, Philosophen und Zeichners Pierre Klossowski wieder entdeckt. Erst die Sünde regt den Eros an - diese Paradoxie Baudelaires hilft zu verstehen, warum Klossowski sexuellen Perversionen huldigt, Sexualmoral und Vernunftzensur hintertreibt und warum seine Erotik nach dem Tabu hungert, das er zu überwinden vorgibt. "Ohne Verbrechen keine Wollust" ist die beherrschende Gewissheit des künstlerischen Werks von Klossowski.

Peter Gorsen ist Prof. emer. für Kunstgeschichte an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

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