Musik-Text-Performance mit
Christian Bertram (reading) und Robert Rutman (on the Bow-Chime)

Juliette’s Literatursalon Berlin, 22. Mai 1999

Welche Anblicke, ausgebreitet in der Ferne !
Hoch aufgetürmt über den gesamten Westhorizont, goldene und
karminrote Wolken, Bögen, Gewölbe und Minarette der Luft
als ginge die maurische Sonne hinter einer riesigen Alhambra unter
Ausblicke schienen auf jenseitige Welten zu führen. Vogelschwärme
zogen hin und her, über die Türme dieses himmlischen Ninive hinweg.


Ich beobachtete sie lang; und einer kreuzte mein Blickfeld,
durchflog einen niedrigen Bogen und war der Sicht entschwunden.


Mein Geist muss in ihm mitgeflogen sein. Dann, unmittelbar,
wie eine Verzückung, überkamen mich der Rhythmus sanften Wogens,
das einen Muschelstrand überspült, das sich Wiegen von Zweigen und
die Stimmen von Mädchen und die besänftigten Schläge meines eigenen,
aufgelösten Herzens: alles verschmolz miteinander.
Herman Melville, Mardi
Robert Rutman | Christian Bertram (Foto: Chr. Bertram)

Der Komponist und Musiker Robert Rutman und der Regisseur Christian Bertram erweisen Melville ihre Reverenz. Sie haben eine Auswahl von Texten aus Melvilles Romanen Mardi, Moby Dick, der Erzählung Bartleby und Briefen zusammengestellt und mit den Klängen des Bow-Chime und Wal-Gesängen zu einem Abend arrangiert, der uns Melville wiederentdecken lässt: als Dichter und Philosophen, Träumer und witzigen Gedankentaucher, Zeitreisenden und Denker über die Moderne hinaus - 150 Jahre vor unserer Zeit.

Programmtext