Max Taut | Leben und Werk

Max Taut in den frühen 30er Jahren

15.05.1884
Max Taut wird als dritter Sohn des Kaufmanns Julius Taut und seiner Frau Augusta im ostpreußischen Königsberg geboren. Die Beziehung zum vier Jahre älteren Bruder Bruno Taut ist für die persönliche und berufliche Entwicklung von nachhaltiger Bedeutung.

1900-1910
Lehre als Zimmermann und Abschluss der Baugewerkschule, Mitarbeit in Ateliers. Anstellung im Hochbauamt Rixdorf-Neukölln, erste Begegnungen mit Mies van der Rohe. Goldene Medaille auf der Dresdener Kunstgewerbe-Ausstellung für ein Einfamilienhaus für ostpreußische Landarbeiter. Teilnahme an Wettbewerben.

1911-1914
Selbstständiger Architekt in Berlin mit ersten Bauten: Schule und Kinderheim Finsterwalde, Fabrik Koswig und Entwurf des Nauener Realgymnasium.
Reise zusammen mit Bruno Taut durch Holland. Goldene Medaille auf der Baufach-Ausstellung Leipzig für die Halle des Werdandi-Bundes. Assoziation mit dem Büro des Bruders und Franz Hoffmanns unter dem Büronamen "Brüder Taut und Hoffmann".
Teilnahme an der Werkbundausstellung in Köln mit Palmenhaus und Ladengalerie des Kunstgewerbehauses Hagen.
Einberufung zum Kriegsdienst. Heirat mit Margarete Wollgast aus Chorin.

1918-1927
Rückkehr aus dem Krieg und Mitgliedschaft in der Novembergruppe. Mitbegründer des Arbeitsrates für Kunst, dessen Vorsitz der Bruder Bruno übernimmt. Beiträge zur Gläsernen Kette und zur Zeitschrift Frühlicht. Erste Planungen zur Siedlung Eichkamp in Berlin. Entwurf des Grabmals Wissinger als dem einzigen realisierten Beispiel der imaginären Architektur der Gläsernen Kette .
Hochhausentwurf für die Chicago Tribune, publiziert in "Internationale Architektur "(Walter Gropius) und "Die Baukunst der neuesten Zeit" (Gustav Adolf Platz).
Fertigstellung des ADGB-Hauses an der Wallstraße in Berlin.
Das Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker in Berlin-Kreuzberg entsteht.
Teilnahme an der Werkbundausstellung am Weißenhof in Stuttgart mit zwei Wohnhäusern.
Das Dorotheen-Lyzeum in Berlin-Köpenick und der Entwurf für den größten Schulkomplex der Weimarer Zeit in Berlin-Lichtenberg entstehen.
Die Schrift "Bauten und Pläne" erscheint.

1928-1930
Es folgen eine Reihe viel beachteter Bauten: das Verwaltungsgebäude der Reichsknappschaft in Berlin, das Bürohaus des ADGB in Frankfurt, die Großbäckerei der Konsumgenossenschaft in Berlin-Spandau und die Planung des Warenhauses der Konsumgenossenschaft in Berlin-Kreuzberg. Ab 1928 Bau des Komplexes der "Lichtenberger Schulen" mit der großen Aula.

1931-1934
Reise mit Bruno Taut nach Moskau zur Besichtigung des Mosprojekts.
Max Taut wird von Bauvorhaben ausgeschlossen und als »bolschewistischer« Architekt diffamiert. Viele Aufträge brechen weg. Der Bruder ist zur Flucht gezwungen. Max Taut reist häufiger nach Chorin und wendet sich dem Zeichnen zu.

1935-1945
Die Auftragslage des Büros Taut und Hoffmann bessert sich nach den ersten Anfeindungen, mehrere Aufträge, einige Privathäusern, Kreissparkasse Genthin und Wohnanlagen in Berlin.
Bruno Taut stirbt in Istanbul an Herzversagen. Reise in die Türkei, wo er über die Weiterführung der Projekte des Bruders verhandelt. Treffen mit dem Bildhauer Rudolf Belling in Istanbul.
Das Büro nimmt an Wiederaufbauplanungen für die Region um Dresden teil. Es werden überwiegend Wohnungsbauten durchgeführt. Totale Zerstörung der Büroräume durch eine Brandbombe. Zahlreiche Zeichnungen und Pläne sowie Teile des Nachlasses Bruno Tauts gehen verloren. Max Taut zieht sich endgültig nach Chorin zurück.

1945-1948
Berufung an die Hochschule für Bildende Künste Berlin zum Aufbau einer neuen Bau- und Architekturschule unter dem Direktor Karl Hofer.
Berlin im Aufbau erscheint als eine der wenigen Publikationen.
Engagement für die Neugründung der Akademie der Künste Berlin und des Werkbundes mit Hans Scharoun. Erste Planungen zur Reutersiedlung für Bundesbedienstete in Bonn.

1951-1958
Einladung zum 2. Darmstädter Gespräch und Entwurf des Meisterbaus Ludwig-Georgs-Gymnasiums. Großsiedlungen für die August Thyssen-Hütte AG in Duisburg-Hamborn und -Walsum. Weitere Siedlungsplanungen im Ruhrgebiet und in Berlin. Übernahme der Direktion der Abteilung Baukunst an der Akademie der Künste und Auszeichnung mit dem Kunstpreis des Landes Berlin.
Teilnahme an der Interbau im Berliner Hansaviertel mit einem Wohnblock, der Individualität und Gemeinschaft des Wohnens thematisiert.
Die Fakultät für Bauwesen der Technischen Hochschule Karlsruhe verleiht Max Taut die Würde eines Doktor-Ingenieurs ehrenhalber.

1963-1967
Entwurf des Hauptkinderheims in Berlin-Kreuzberg als Opus ultimum. Werkausstellung in der Akademie der Künste Berlin anlässlich seines achtzigsten Geburtstages. Ernennung zum Ehrensenator der Hochschule für Bildende Künste als "Vorkämpfer des heutigen Bauens".
Tod in Berlin am 26.02.1967 nach einer Lungenembolie. Beisetzung auf dem Friedhof der Klosterruine Chorin.